ExpressLRS – ein offenes Funksystem für Modellflieger

ExpressLRS, kurz ELRS, ist ein Funkübertragungssystem für die Steuerung von Modellen. Bekannt geworden ist es vor allem im FPV-Bereich, doch es eignet sich auch für Segelflugzeuge, Motorflugmodelle und Helikopter. Seine Stärken sind eine schnelle Übertragung, hohe Empfangsempfindlichkeit und eine grosse Auswahl an Hardware verschiedener Hersteller.

Das System wird als Open-Source-Projekt entwickelt: Der Programmcode ist öffentlich zugänglich und wird gemeinschaftlich weiterentwickelt. ExpressLRS bietet interessante Möglichkeiten, verlangt aber auch etwas Bereitschaft, sich mit der Technik auseinanderzusetzen.

Wie funktioniert ExpressLRS?

Wie bei anderen Fernsteuerungen überträgt ein Sendemodul die Steuerbefehle zum Empfänger im Modell. Dieser gibt sie an Servos, einen Regler oder eine Flugsteuerung weiter. Für klassische Flächenmodelle gibt es sogenannte PWM-Empfänger, an denen sich Servos direkt anschliessen lassen. Ein Flugcontroller ist dafür nicht erforderlich.

ExpressLRS ist unter anderem für 2,4 GHz und den häufig als «900 MHz» bezeichneten Frequenzbereich erhältlich. Sender und Empfänger müssen hinsichtlich Frequenzbereich und Betriebsart zusammenpassen. Für viele gewöhnliche Modellfluganwendungen ist 2,4 GHz der naheliegende Einstieg.

Paketrate: Wie schnell werden Steuerbefehle übertragen?

Eine wichtige Einstellung ist die Paketrate. Sie beschreibt, wie oft pro Sekunde Datenpakete übertragen werden. 100 Hz entsprechen beispielsweise einem Paket alle zehn Millisekunden. Mit geeigneter Hardware und passenden Einstellungen sind bis zu 1000 Hz möglich.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich ein Servo innerhalb einer Millisekunde bewegt. Die gesamte Reaktionszeit hängt auch vom Sender, der Signalverarbeitung und dem Servo ab.

Zudem besteht ein Zielkonflikt: Höhere Paketraten ermöglichen kürzere Übertragungsintervalle, während langsamere, empfindlichere Funkmodi mehr Empfangsreserve bieten können. Die höchste Zahl im Menü ist deshalb nicht automatisch die beste Einstellung für jedes Modell.

Die Vorteile von ExpressLRS

Herstellerübergreifende Auswahl

Man ist beim Kauf von Sender und Empfänger nicht grundsätzlich an dieselbe Marke gebunden. Entscheidend sind die technische Kompatibilität und passende Firmware. Das eröffnet Spielraum bei Bauform, Ausstattung und Budget.

Schnelle und vielseitige Funkübertragung

Die verschiedenen Übertragungsmodi erlauben eine bedarfsgerechte Abstimmung zwischen Reaktionsgeschwindigkeit und Empfangsreserve. Damit lässt sich das System an unterschiedliche Modelle und Einsatzzwecke anpassen.

Zusätzliche Robustheit durch Gemini

Geeignete Gemini-Geräte übertragen gleichzeitig auf zwei unterschiedlichen Frequenzen. Gemini Xrossband kann sogar zwei Frequenzbereiche gleichzeitig nutzen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Datenpaket erfolgreich ankommt.

Diese Funktion erfordert passende Hardware auf beiden Seiten. Sie bedeutet keine pauschale Verdoppelung der Reichweite.

Offene Entwicklung

Neue Funktionen können über Firmware-Updates hinzukommen. Die umfangreiche Dokumentation und die Community bieten Unterstützung bei Einrichtung und Fehlersuche.

Die Nachteile und Herausforderungen

Einarbeitung erforderlich

Begriffe wie Paketrate, Telemetrieverhältnis, Kanalmodus oder Binding Phrase gehören zur Einrichtung. Wer bisher ein weitgehend vorkonfiguriertes System verwendet hat, muss sich zunächst orientieren.

Firmware muss zusammenpassen

Sender und Empfänger benötigen grundsätzlich dieselbe Hauptversion der Firmware. Ein Gerät mit Firmware 3.x verbindet sich beispielsweise nicht mit einem Gerät mit 2.x. Die Aufschrift «ExpressLRS» allein garantiert daher noch keine sofort funktionierende Verbindung.

Kanalmodus bewusst auswählen

Nicht jeder Modus überträgt alle Kanäle mit gleicher Auflösung und Aktualisierungsrate. Für mehrere proportional gesteuerte Ruder stehen Full-Resolution-Modi mit bis zu 16 Kanälen zur Verfügung.

Ein Mehrklappensegler sollte deshalb bewusst konfiguriert werden. Eine Einstellung für einen FPV-Racer lässt sich nicht einfach unverändert übernehmen. Die Zahl der tatsächlichen Servoanschlüsse hängt zusätzlich vom gewählten Empfänger ab.

Telemetrie und Zubehör prüfen

Der Rückkanal für Telemetrie teilt sich die verfügbare Übertragungszeit mit der Steuerverbindung. Das einstellbare Telemetrieverhältnis beeinflusst, wie häufig Rückmeldungen übertragen werden.

Wer bestimmte Sensoren oder umfangreiche Telemetriefunktionen benötigt, sollte deren Unterstützung für die konkrete Kombination vor dem Kauf prüfen.

Was ist bei Seglern und Motorflugmodellen wichtig?

Für ein klassisches Modell sind ein geeigneter PWM-Empfänger, genügend Servoausgänge und ein passender Kanalmodus die wichtigsten Ausgangspunkte. Die Servo-Ausgabefrequenz muss zu den eingesetzten Servos passen. Ebenso gehört eine bewusst konfigurierte und überprüfte Failsafe-Funktion zur Einrichtung.

Gerade bei einem Segler mit mehreren Klappen ist eine sorgfältig abgestimmte Konfiguration wertvoller als eine möglichst hohe Paketrate. Auch bei schnellen Modellen entscheidet die gesamte Steuerkette über das Ergebnis – vom Knüppel bis zur spielfreien Ruderanlenkung.

Für wen lohnt sich ExpressLRS?

ExpressLRS ist eine interessante Wahl für Modellflieger, die ein offenes, vielseitiges System suchen und sich gerne mit dessen Möglichkeiten beschäftigen. Die Auswahl an kompatibler Hardware und die anpassbare Funkübertragung machen das System für unterschiedliche Modellflugsparten attraktiv.

Wer dagegen vor allem eine vertraute Bedienung, vorhandenes Zubehör und einen zentralen Servicepartner schätzt, sollte diese Punkte bei einem Wechsel ebenso stark gewichten wie die reine Funkleistung.

Quellen: Offizielle ExpressLRS-Dokumentation zu Hardware, PWM-Empfängern, Einstellungen, Gemini und Bindung und Kompatibilität.